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Wir wollen das 2-Grad-Ziel! Cool, oder?

An der Louis-Lepoix-Schule in Baden-Baden spielten in der letzten Woche vor den Sommerferien knapp 80 Schülerinnen und Schüler UN-Klimakonferenzen nach. Sie nutzten dabei dieselben Klimamodelle, mit denen die Profis auf höchster politischer Ebene bei solchen Verhandlungen arbeiten.

An der Louis-Lepoix-Schule in Baden-Baden spielten in der letzten Woche vor den Sommerferien knapp 80 Schülerinnen und Schüler UN-Klimakonferenzen nach. Sie nutzten dabei dieselben Klimamodelle, mit denen die Profis auf höchster politischer Ebene bei solchen Verhandlungen arbeiten.

Die zunehmende Aufmerksamkeit für den Klimaschutz ist eines – doch wie herausfordernd Klimaschutz in der Praxis ist, zeigte ein Rollenspiel mit Schülern. Foto: REM e.V.

Baden-Baden

Die Nationen der Welt treffen sich, um eine Lösung für die drohende Klimakatastrophe zu finden. Nachdem alle ihre Plätze eingenommen haben, eröffnet der UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Weltklimakonferenz.

Unterstützt von Fotos und Grafiken listet er die Folgen der Erderwärmung auf: Überschwemmungen, Wüstenbildung, häufigere und heftigere Unwetter, Millionen von Klimaflüchtlingen. Das alles klingt sehr überzeugend. Ungewöhnlich ist jedoch der Tagungsort: ein Klassenzimmer der Louis-Lepoix-Schule Baden-Baden. Dorthin hat der UN-Generalsekretär, der in Wirklichkeit Uwe Burkhardt heißt und 1. Vorsitzender des REM e.V. ist bzw. Dr. Günther Beikert, seines Zeichens Physiklehrer an der Schule, die insgesamt knapp 80 Schüler, verteilt auf mehrere Veranstaltungen, zum Rollenspiel World Climate eingeladen.

Die Aufgabe der Spielteilnehmer: durch geringere Treibhausgasemissionen den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad oder besser 1,5 Grad begrenzen. Darauf haben sich die Teilnehmer des Pariser Weltklimagipfels 2015 geeinigt. Bei der Folgekonferenz in Bonn 2017 wurden diese Ziele bestätigt. Rechtsverbindlich sind die versprochenen Emissionsminderungen aber nicht. Auch Deutschland tut sich schwer, seine Zusagen einzuhalten. Selbst wenn alle Paris-Unterzeichner ihr Versprechen erfüllen sollten, rechnen Experten bis 2100 mit einem Temperaturanstieg um 3,3 Grad. Die EU-Kommission forderte Ende November 2018 deshalb die Verwirklichung einer „klimaneutralen“ EU-Volkswirtschaft bis 2050.

„Ist das nicht cool?“

Läuft alles weiter wie bisher, könnten es sogar 4,2 Grad werden. Die anspruchsvolle Aufgabe der Schülerinnen besteht darin, als repräsentative Vertreter aus den USA, der EU, anderen Industrieländern, sowie China, Indien und Entwicklungsländern durch Verhandlungen das Pariser 2-Grad-Ziel zu erreichen.

Studien und wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es nicht effektiv ist, Menschen einfach nur Forschungsergebnisse aufzuzeigen: Sie treten selten in Aktion, da ihre Gefühle nicht angesprochen werden. Mit World Climate ist dies anders. Einzigartig und revolutionär verbindet World Climate ein soziales, einnehmendes Rollenspiel mit einem interaktiven Computersimulationsmodell, das unmittelbar die voraussichtlichen Konsequenzen von Entscheidungen aufzeigt.

Uwe Burkhardt, der 1. Vorsitzende des in der Region seit 1994 für den Klimaschutz aktive gemeinnützigen Vereins REM e.V. Regenerative Energien Mittelbaden, hat dieses Rollenspiel nach Baden-Baden gebracht und erklärt: „Ich freue mich über die Einladung von Herrn Dr. Beikert, und das Interesse der Schulleitung der Louis-Lepoix-Schule, dieses Rollenspiel durchzuführen. Im Rahmen unserer REM-BINE-Projekte (BildungsInitiative für Nachhaltige Entwicklung), wollen wir mit interessanten und spannenden interaktiven Aktionen wie dieser das Bewusstsein und die Verantwortung für unseren Lebensraum steigern und den Klimaschutz als große verantwortliche Chance wahrnehmen zu können. Ein großer Dank gilt unseren Mitgliedern, Unterstützern und Förderern, die dies möglich machen. Ganz konkret möchte ich hier die Deutsche Postcode Lotterie namentlich nennen, welche dieses Projekt „Rollenspiel“ als Hauptförderer möglich macht“

Politik-Simulation "World Climate": Spielen kann Menschen zu mehr Klimaschutz motivieren
Bei "World Climate" erfahren die Spieler die Folgen ihres eigenen Tuns

Während Vertreter von Entwicklungsländern während des Spiels auf dem Boden sitzen müssen, nehmen die Repräsentanten wohlhabender Länder Platz an Tischen mit Getränken und Snacks. Ein zweiseitiges Briefing stimmt die Mitspielerinnen und -spieler ein - und liefert reichlich Argumente, die sie in den anschließenden Diskussionen untereinander verwenden können. So lesen etwa die Vertreter der Entwicklungsländer: "Die reichen Länder müssen umfassende Maßnahmen ergreifen, die ihrem früheren Verschulden des Problems entsprechen. Wir werden nicht weiterhin den Preis für ihre bisherigen Emissionen zahlen." Im Briefing der EU-Delegierten hingegen heißt es: "Die Entwicklungsländer betonen, dass eine Verringerung ihrer Emissionen eine umfangreiche finanzielle Unterstützung aus den Industrieländern erfordert. Da aber viele dieser Länder durch Korruption geprägt sind, erreicht die finanzielle Unterstützung oft nicht ihr Ziel."

Im Laufe des Spiels müssen sich dann die Länder-Gruppen auf ein globales Abkommen einigen, mit dem Ziel den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts auf unter 2°C zu begrenzen - also genauso wie bei den echten UN-Klimagipfeln. Um die Folgen ihrer klimapolitischen Vorschläge abzuschätzen, benutzen die Mitspieler bei "World Climate" den gleichen Simulator wie die UN-Delegierten in der wirklichen Welt. Am Computer wird dabei die gesamte Weltwirtschaft und Klimapolitik simuliert: So geben die Spielerinnen und Spieler beispielsweise ein, um wieviel Prozent sie die Treibhausgas-Emissionen ihres Landes senken werden - und erfahren nach wenigen Mausklicks die Folgen dieser Maßnahmen für den Klimawandel.

In den Reflexionsrunden der 4 verschiedenen UN-Verhandlungskommissionen spiegelte sich bei den Teilnehmerinnen eine große Bandbreite der Gefühle während der Verhandlungen: wütend, ärgerlich, freudig und ängstlich. Ein Schüler meinte auf die Frage, was in dem Spiel Mut gemacht habe: „Was ein Mensch alles bewegen kann“. Und Antworten, was man als Hoffnung nun gleich aus dem Klassenzimmer tragen könne, zeigte die Variationen der Sofort-Möglichkeiten: „Ich fahre mehr mit dem Fahrrad“, „Ändere meine Gewohnheiten“  und „Werde bewusster handeln“. Der REM e.V. bietet im Rahmen seiner REM-BINE (Bildungsinitiative für nachhaltige Entwicklung) Schulen und Universitäten der Region an, das Rollenspiel WorldClimate an ihrer Einrichtung durchzuführen und freut sich auf Kontaktaufnahme über unsere E-Mail-Adresse infoatrem-evdotde